10 Jahre BDV e.V. - von der Selbsthilfegruppe zur bundesweit agierenden Hilfsorganisation

10 Jahre BDV e.V. - von der Selbsthilfegruppe zur bundesweit agierenden Hilfsorganisation

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Berlin, 15.05.2020

Ende Mai diesen Jahres hätten wir mit unseren Veranstaltungen zu unserem Jubiläum des 10jährigen Bestehens in Berlin und Potsdam begonnen. Diese Veranstaltung hätten wir auch genutzt, um die Entstehung des BDV e.V. Revue passieren zu lassen. Leider hat die aktuelle Krise Einfluß genommen. Wir waren uns unserer Verantwortung bewußt und haben deshalb alle Veranstaltungen bis in den Sommer abgesagt. Wir hoffen, nach der Sommerpause wieder gemeinsam mit Euch starten zu können. Aus diesem Grunde möchten wir Euch den BDV e.V. in Entstehung und heutigem Sachstand sowie seiner Arbeitsweise aber ein wenig hier darstellen. Bei weiterführenden Fragen wendet Euch bitte an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Etappen des BDV e.V. (Abb.1)

Bereits vor ca. 12 Jahren waren die Gründungsväter des BDV e.V., welche sich zu einer kleinen Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen hatten, im Themenfeld "Betreuung und Versorgung von Einsatzgeschädigten" in Berlin aktiv. Zunächst ging es nur um ihre eigene Lebenssituation, die nach dem Einsatz "aus dem Ruder" gelaufen war. Sie waren mit dem Thema aber die ersten, die in Deutschland PTBS in Verbindung mit den Einsätzen der Bundeswehr öffentlich und sichtbar gemacht haben. Wenn man heute zurückschaut dann kann man verstehen, dass manche Beobachter von einer "schrillen" Anfangsphase des BDV e.V. sprechen, ist man doch mit Fahnen und Plakaten durch Berlin gezogen und hatte die Türen von Amtsstuben im übertragenen Sinne "eingetreten". Ähnlich war es mit den Medien, bis diese unser Thema aufgenommen haben. Heute findet man fast in jedem Tatort einen an PTBS Erkrankten, wenn auch leider meistens in der Rolle des "Bösewichtes". Diese Aktivitäten und die nun gewonnene Sichtbarkeit des Themas führten dazu, dass sich aus der gesamten Bundesrepublik immer mehr belastete EinsatzVeteranInnen meldeten, die sich in vergleichbar desolaten Situationen befanden. Die Bewegung war geboren.

Dank eines großzügigen sozialen Großspenders konnte die Selbsthilfegruppe die Deutsche Kriegsopferfürsorge gUG (DKOF) gründen. Es sollte eine Organisationsform geschaffen werden, die dem steigendem Umfang des Unterstützungsbedarfs gerecht wurde. Allein schon der Name führte jedoch zu keiner Akzeptanz in Politik, Bundeswehr und Medien, aber auch die gewählte Organisationsform stellte sich als nicht zukunftssicher heraus. So wurde im August 2010 aus der DKOF der Bund Deutscher Veteranen e.V. als gemeinnütziger Verein gegründet und die DKOF 2014 endgültig aufgelöst. Aufgrund einer in 2015 im Bundesverteidigungsministerium entbrannten Debatte zu einem möglichen Veteranenbegriff beschloss die folgende Mitgliederversammlung die Umbenennung in Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V. Nun wurde auch im Namen deutlich, welches primäre Satzungsziel der Verband verfolgt: Die Unterstützung von ehemaligen Einsatzteilnehmern.

Heute hat der Verband über 1.000 Mitglieder aus allen Lebensbereichen und arbeitet mit ca. 90 ehrenamtlichen Mitarbeitern bundesweit im Fallmanagement / in der Lebensbegleitung von einsatzbelasteten Veteranenfamilien. Die Unterstützung der Familien ist kostenfrei und keine Mitgliedschaft in unserem Verband ist erforderlich. Der BDV e.V. ist finanziell unabhängig und politisch ungebunden.

(Abb.1)

 

Veteranendefinition vom 18.11.2018 (Abb.2)

Völlig anders als 2015 im BMVg diskutiert (damals mehrheitliche Intension: "2-Veteranen-Begriff", Trennung in Soldat/Einsatzsoldat sowie Veteran/Einsatzveteran) erfolgte 2018 der "allumfassende Veteranenbegriff". Dies war für den BDV e.V. nicht die erwartete Musterlösung. Wir waren jedoch froh, dass es nun ein Fundament für unsere Arbeit gab auf das es aufzubauen galt. In Folge der Definition, welche objektiv völlig anders als in anderen Ländern war, gab es umfängliche und sehr konträre Diskussionen in der Gesellschaft und in den sozialen Medien. Die Definition polarisiert auch noch heute. Im Zuge unserer weiteren Nutzung des Begriffes "EinsatzVeteran" wurde dem BDV e.V. von vielen Seiten "Spaltung" der Gemeinschaft vorgeworfen. Der BDV e.V. spaltet aber nicht, er hat als Spartenverband und auch Interessenvertretung lediglich eine besondere Gruppe von ehemaligen Soldatinnen und Soldaten im Focus seiner Satzung und macht auf deren Besonderheiten aufmerksam. Wir spalten ebensowenig wie der VdRBw von den aktiven Soldaten spaltet oder der Verband der Artillerie von Kameradschaften der Panzertruppe. Uns alle vereint das Eiserne Kreuz, der Eid und das Soldatengesetz. Jeder hat zu seiner Zeit an seinem Platz den Dienst versehen und dafür gebührt jedem gleichermaßen Respekt und Anerkennung.

(Abb.2)

2017 - ein Erfolgsjahr! (Abb.3 und 4)

Im Auftrag des Deutschen Bundestages erstellte der Wissenschaftliche Dienst eine Studie zu den Veteranenkulturen anderer Staaten. Abgesehen davon, dass dort keine gelebte Kultur für die Bundesrepublik Deutschland aufgeführt werden konnte, wurde unser Verband als "Impulsgeber einer deutschen Veteranenkultur" bezeichnet. Ein Meilenstein für den jungen Verband! Öffneten sich dadurch doch alle Türen in Politik und Gesellschaft für uns und unsere Ideen. Im gleichen Jahr konnten wir uns erstmalig in das Lobbyregister des Deutschen Bundestages eintragen und Politiker greifen für Informationen und Gespräche auf unseren Vorstand zurück. Auch wurden in Folge im BMVg erste Strukturen für die Veteranenarbeit geplant und auch der "Leitfaden zur Veteranenarbeit" nahm nach und nach Form an. 2019 wurde dann die "Beratergruppe Veteranen beim stv GI" sowie der "Veteranenrat" ins Leben gerufen (Abb.4). Im Letzterem ist es bis heute kaum zu Aktivitäten gekommen. Wir hoffen, der Entwicklung zum "zahnlosen Tiger" entgegenwirken zu können.

(Abb.3)

(Abb.4)

EinsatzVeteranInnen und Einsatzbelastung (Abb.5 bis 7)

Der Kern unserer Arbeit ist jedoch nicht die politische Aktivität sondern das Fallmanagement, welches wir durch die politische Arbeit festigen und damit die Situation der Betroffenen verbessern wollen. Unser Fallmanagement / unsere Lebensbegleitung betreut nun seit Jahren durchschnittlich 450 - 500 Familien in der Fläche. Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn man die Studien und Aussagen des Verteidigungsausschusses für eine Bedarfsberechnung zugrunde legt. Wird die geringste Anzahl zugrunde gelegt werden Systeme benötigt, die theoretisch in der Lage wären bis zu 80.000 traumatisch Betroffene (Inkubationszeit bis zu 30 Jahren bei PTBS, durchschnittliche Outingzeit im Betreuungskegel des BDV e.V. ca. 5 Jahre nach traumatischem Erlebnis) und deren Familien zu betreuen. Aus diesem Grunde ist der BDV e.V. offen für starke Partnerschaften. Auch ist der Schwerpunkt dieses Themas nicht innerhalb der Bundeswehr zu finden. Der größte Anteil leistet keinen Dienst mehr und die systematischen Unterstützungsmöglichkeiten der Bundeswehr sind zunächst in weiter Ferne, es entsteht ein "Betreuungsvakuum"(Abb.7) in den Möglichkeiten und der Zuständigkeit. Hier ist unser Fallmanagement für die Betroffenen da!

(Abb.5)

(Abb.6)

Auch nach Beendigung der Dienstzeit ist der Bund nach dem Soldatengesetz in der Pflicht. Hier sehen wir uns als Partner und arbeiten eng zusammen.

(Abb.7)

85 Prozent der durch den BDV e.V. betreuten einsatzbelasteten Familien erreicht ihr Schicksal wenige Jahre nach der Dienstzeit. Bis dahin konnte erfolgreich verdrängt oder kompensiert werden. Wenn sie dann arbeitsunfähig werden erhalten sie zunächst sechs Wochen Lohnfortzahlung und anschliessend Krankengeld (Regel bis zu 72 Wochen), dann JobCenter oder Grundsicherung. Bei gleichzeitiger Antragstellung einer Wehrdienstbeschädigung wegen einer seelischen Verwundung (schwer nachzuweisen) einsteht ein soziales Dilemma, da der "Zweite Krieg", der Verwaltung-und Nachweiskrieg, nach unseren Erkenntnissen im Schnitt 2,5 Jahre dauert. Hier kann eine "gelbe Schleife" um den sozialen Abstieg angelegt werden. In dieser Zeit sind wir individuell für unsere Kameradinnen und Kameraden da, unterstützen bei allen administrativen Angelegenheiten, forcieren soziale Reintegration, stützen finanziell, koordinieren erforderliche Stellen, Ämter und Stiftungen. Wesentlich dabei ist die Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst der Bundeswehr.

Ziele und Handlungsfelder (Abb.8)

Unsere Ziele kann man sehr einfach darstellen, deshalb wird zur nächsten Abbildung auf eine Erläuterung verzichtet.

(Abb.8)

Positionierung des BDV e.V. in der Verbands- und Betreuungslandschaft (Abb.9 und 10)

Wir stehen in keinem Konkurrenzkampf mit einer anderen Organisation. Als eng ausgerichteter Spartenverband haben wir uns auf eine spezielle Gruppe von Soldatinnen und Soldaten mit Einsatzerfahrung spezialisiert. Hier steht für uns der Mensch im Mittelpunkt. Individuell und unmittelbar. Wir würden uns vielmehr darüber freuen, wenn weitere Organisationen auf unsere Fähigkeit mit Blick auf den/die Betroffenen zurückgreifen und mit uns intensiv zusammenarbeiten würden. Da wir mit Schwerpunkt ehemalige EinsatzVeteranInnen betreuen und unterstützen, kommt der Zusammenarbeit mit dem Verband der Reservisten der Bundeswehr (VdRBw) eine besondere Bedeutung zu (Abb.10).

(Abb.9)

(Abb.10)

Arbeitsweisen und Folgen des Fallmanagements (Abb.11 und 12)

Unser Fallmanagement zur Betreuung belasteter Familien arbeitet "vor der Haustür" (Abb.11). Wir legen Wert auf die Nutzung des geschützten Raumes der Betroffenen und der Koordination benötigter Stellen im Regionalbereich. Sie rufen, wir kommen! Unser Leitspruch "Treu gedient - Treue verdient" soll und muss um die Facette "Treue erhalten" abgerundet werden. Das haben unsere Kameradinnen und Kameraden, die mit Waffe in der Hand und schmutzigen Stiefeln für diesen Staat auf fremden Boden gestanden haben verdient! Zumal dann, wenn die Rückkehr in das "normale Leben" ohne Hilfe nicht problemlos funktioniert (Abb.12)

(Abb.11)

(Abb.12)

Aktive Partnerschaften und Kooperationen (Abb.13)

Für einen Erfolg unserer Arbeit sind wir nicht nur auf die beruflichen Qualifikationen unserer Mitarbeiter und Experten oder zuarbeitenden externen Spezialisten angewiesen, sondern vor allem auch auf enge Partnerschaften. Hierdurch entwickeln sich Synergieeffekte zur schnellen und unbürokratischen Unterstützung. Über die hier gezeigten hinaus unterhalten wir lockere Verbindungen zu einer Vielzahl von weiteren Veteranenvereinigunen und Vereinen, die hoffentlich auch zu einem späteren Zeitpunkt in einer aktiven Partnerschaft münden. Darüber hinaus sind wir in die Netzwerke der Hilfe eingebunden.

(Abb.13)

Gliederung unseres Verbandes (Abb.14 bis 19)

Der BDV e.V. unterliegt der klassischen Verbandsstruktur einer gemeinnützigen Organisation. Einfache Strukturen und eine flache Hierarchie sollen Bürokratie vermeiden und die Ansprechbarkeit der Fachbereiche für jeden vereinfachen. Wir sind ein Verband zum "anfassen", wir sind auf jeder Ebene für jedermann ansprechbar. Die Mitgliederversammlung ist das höchste Gremium und erstellt die Vorgaben nach Satzung für den geschäftsführenden Vorstand sowie dem erweiterten Vorstand. Unter dem Aspekt "Hilfe vor der Haustür" arbeiten wir in Regionalbereichen in Anlehnung an die Bereiche der Militärkirchen und des DBwV (Abb.16). Die FallmanagerInnen werden durch die Regionalvorstände eingesetzt 8Abb.14). Fachliche Leitung und Unterstützung in der Veteranenhilfe finden sie beim "Vorstand für Betreuung und Ausbildung (FallmanagerInnen)" bzw. durch die "Abteilungsleiterin Beratung" (Versorgungsrecht)(Abb.15.). Diese Detailgliederung wurde im März 2020 im Rahmen einer virtuellen Klausurtagung durch die Funktionen "Regionalvorstand SÜD" und "Vorstand für Betreuung und Ausbildung" ergänzt. Dies war unserem enormen Wachstum des Jahres 2019 (Mitgliedschaft plus 40 Prozent) sowie der weiteren Professionalisierung geschuldet. Diese beiden Funktionen sind zunächst kommissarisch besetzt, eine Bestätigung und Wahl der Funktionsinhaber kann erst bei der nächsten, aufgrund der Krise noch nicht terminierten Mitgliederversammlung erfolgen. Insgesamt werden durch die Regionalvorstände ca 90 ehrenamtliche und untere Vertrag stehende Mitarbeiter regional eingesetzt (Abb.17). Hierbei werden alle Sachverhalte im Bereich "Qualitätssicherung und Statistik" erfasst und überwacht (Abb.18). Unser "3-Stufen-Modell" zur Unterstützung arbeitet mit drei Ebenen: 1.Selbst und Kameradenhilfe, 2. Semi-professionelle Unterstützung und 3. professionelle Unterstützung (App.19)

(Abb.14)

(Abb.15)

(Abb.16)

(Abb.17)

(Abb.18)

(Abb.19)

Unsere Angebote an die Familien (Abb.20)

Unsere Angebote sind vielfältig und werden individuell zusammengestellt und zeitlich gestaffelt. Keine Betreuung ist identisch!

(Abb.20)

Soziale Medien (Abb.21 und 22)

Soziale Medien spielen bei unserer Arbeit eine große Rolle. Vereinigen sich in unserem Umfeld doch im wesentlichen jüngere Kameradinnen und Kameraden der "Generation Einsatz". Somit sind diese Medien wichtige Kommunikationskanäle. Der BDV e.V. ist auf Facebook, Instagram, LinkedIn und Twitter präsent. Die Community trifft sich zum Austausch in der Facebookgruppe "VeteranenTreff". Diese Gruppe betreibt Selbst- und Kameradenhilfe, hat in der Vergangenheit bereits Kameraden aktiv vor dem Suizid bewahrt, hat zwei Häuser für Kameraden kostenfrei mitgebaut oder organisiert Lebensmittellieferungen über Checkpoints quer durch Deutschland für in Not geratenen EinsatzVeteranInnen (Abb.21). Der bisher größte Erfolg dieser Gruppe war bisher die Aktion "Ein Zuhause für Sven" unter Leitung unseres Regionalvorstandes OST (Abb.22).

(Abb.21)

(Abb.22)

Für die Lebenden (Abb.23)

Einmal im Jahr treffen wir uns zum stillen Gedenken. Am "Tag der EinsatzVeteranen der Bundeswehr" gedenken wir gemeinsam mit Hinterbliebenen und Freunden am Wald der Erinnerung in Potsdam unserer gefallenen Kameraden. Sie dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Nur wer vergessen ist, der ist wirklich tot. Nächster Termin voraussichtlich im Mai 2021.

(Abb.22)

Komm ans Licht, EinsatzVeteran! 

Wir hoffen, dass wir Euch mit dieser zugegebenermaßen recht kurzen Ausführung unsere Arbeit und Aktivität ein wenig näher bringen konnten. Wir leben von einer starken Gemeinschaft und freuen uns über jede Unterstützung. Diejenigen, die oft jahrelang auf ihr soziales Leben verzichtet und sich im Einsatzland zwischen Minen und Beschuss bewegt haben, haben unsere Solidarität verdient. Erst recht dann, wenn sie an Körper oder Seele verwundet zurückkehren. Treu gedient - Treue verdient, wir wollen das sie auch Treue erhalten!

https://veteranenverband.de/index.php/mitgliedsantrag

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Semper Communis!

(BD) 

 

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